Strategischer Ansatz für Ressourceneffizienz
Verbesserte Transparenz in den Material- und Energieströmen zeigt Einsparpotenziale auf
t/a
Metalleinsparung
m3/a
Kühlschmierstoffverringerung
%
Energieeinsparung
Die Hans Pfeiffer GmbH Präzisionsteile ist ein familiengeführtes Mittelstandsunternehmen mit Sitz in Friedenweiler im Schwarzwald und spezialisiert auf die Herstellung komplexer Präzisionsteile für die Metallbearbeitung. Das Unternehmen wurde 1950 gegründet und beschäftigt heute rund 90 Mitarbeitende.
Als Spezialist für Zerspanungs- und Präzisionstechnik beliefert die Hans Pfeiffer GmbH führende Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, der Medizintechnik, der Antriebs- und Elektrotechnik mit hochpräzisen Komponenten. Das Leistungsspektrum umfasst die komplette Prozesskette von der spanenden Bearbeitung durch Drehen, Fräsen, Verzahnen, Räumen und Stoßen über Walzen, Schleifen, Polieren und Strahlen bis hin zur Baugruppenfertigung sowie der Teil- und Komplettmontage komplexer Baugruppen.
Mit den Investitionen in Ressourceneffizienz schafft das Unternehmen nicht nur Material- und Energieeinsparungen, sondern auch mehr Transparenz und verbessert seine Resilienz. Auch die eigene Kompetenz in diesen Themen wurde gestärkt.
Ausgangssituation
Bei Hans Pfeiffer GmbH Präzisionsteile war die Ressourceneffizienz schon im Blick und einige Maßnahmen in Überlegungen. Ein Veranstaltungsbesuch Ende 2022 weckte Interesse für den KEFF+Check, der im Frühjahr 2023 durchgeführt wurde und viele Impulse brachte.
Lösung
Das Unternehmen setzte verschiedene Materialeffizienz-Maßnahmen um.
Aufbereitung der Späne
Bereits vor dem Check wollte man die Entsorgung der Späne verbessern. Danach wurde dann eine vollautomatisierte Späne-Aufbereitungsanlage implementiert. Die Anlage trennt ölhaltige Späne vollautomatisch. Das zurückgewonnene Öl wird aufbereitet und dem Kühlschmierstoff-Kreislauf wieder zugeführt. Die getrockneten, ölfreien Späne werden einer hochwertigen stofflichen Verwertung zugeführt und erzielen auch eine höhere Vergütung. So senkt die Maßnahme Entsorgungskosten.
Pflege der Kühlschmierstoffe
An den Produktionsmaschinen wurden Filtersysteme installiert, die eine kontinuierliche Aufbereitung der eingesetzten wässrigen und ölbasierten Kühlschmierstoffemulsionen ermöglichen. Durch die Erhöhung der Filterqualität werden Verschleppungen, Verunreinigungen und Partikelbelastungen minimiert. Damit können prozesskritischer Medien länger genutzt werden, Ausschussraten durch verbesserte Bearbeitungsqualität gesenkt und das Abfallaufkommen verringert werden.
Prozessdigitalisierung
Das Unternehmen integrierte die Prozessdigitalisierung in Kombination mit dem ERP-System als strategisches Instrument der Ressourceneffizienz und machte damit ineffiziente Vorgänge sichtbar. So wurden Material- und Energieströme transparent, Ausschüsse durch Qualitätsverbesserung minimiert sowie die Durchlaufeffizienz gesteigert.
Verpackung
Das Unternehmen stellte von Einweg- auf wiederverwendbare Verpackungen in Form von transportfähige Kunststoffboxen um.
Bilanzierung
Mit einer detaillierten Stoffbilanz im Bereich Abfall und Späne wurden sämtliche Abfallströme des Unternehmens systematisch erfasst, kategorisiert und hinsichtlich ihrer Mengen, Kosten und Recyclingwege transparent darstellt. Nach einer MFCA-Schulung von Umwelttechnik BW wurde die Materialflusskostenrechnung an einem konkreten Produktionsartikel innerhalb des Unternehmens als Pilot gestartet und danach aktive umgesetzt sowie mit der Abfall-Stoffbilanz verknüpft.
PV-Anlage und E-Mobilität
Die bereits 2021 installierte PV-Anlage wurde und wird weiterhin schrittweise erweitert und deckt etwa 24 % des Strombedarfs. Der Rest wird durch Ökostrom abgedeckt. Das Unternehmen plant die Anschaffung eines Elektro-Sprinters zur Eigenstromnutzung.
Weitere Energieeffizienzmaßnahmen
Die bei der Drucklufterzeugung anfallende, bisher umgenutzte Kompressorabwärme wird nun über einen Wärmetauscher abgeführt und zur Warmwasseraufbereitung genutzt. Die Produktionsbeleuchtung wurde vollständig auf energieeffiziente LED-Technologie umgestellt und dafür auch Fördermittel in Anspruch genommen.
Sonstiges
Auch kleinere Maßnahmen wie wiederverwendbare Handtuchrollen und Tassen anstatt von Wegwerf-Materialien wurden umgesetzt.
Ergebnis
Ein zentrales Ergebnis der umgesetzten Maßnahmen ist eine verlässliche Datenbasis, die eine Grundlage für zukünftige strategische Entscheidungen bildet. Zusätzlich zu dieser Transparenz hat auch das Bewusstsein für Ressourceneffizienz im Unternehmen zugenommen.
Das Unternehmen investierte eine höhere sechsstellige Summe in die Materialeffizienzmaßnahmen und spart seither damit pro Jahr schätzungsweise 1 m³ Kühlschmierstoffe und Öl, 100 kg Verpackungen sowie 2 Tonnen Rohmaterial (Stahl und Alu).
Die Energieeffizienzmaßnahmen erforderten ebenfalls ein Investment in ähnlicher Größenordnung, wobei der größte Anteil auf die PV-Anlage entfiel. Damit konnten 350.000 kWh/a Strom und 800 Liter/a Heizöl gespart werden. Durch den E-Transporter werden rund 500 Liter/a Diesel eingespart.
Das Unternehmen plant, die PV-Anlage weiter auszubauen, sodass künftig rund 30 % des gesamten Strombedarfs durch selbst erzeugten Solarstrom gedeckt werden können. Zudem soll der Fuhrpark weiter elektrifiziert werden. Die Heizungsanlage im Verwaltungsgebäude soll hydraulisch abgeglichen und die Öl-Heizkessel ausgetauscht werden. Darüber hinaus ist die Einführung eines Energie- und Stromverbrauchsmonitorings geplant sowie gegebenenfalls die Anschaffung eines Batteriespeichers.
Kontakt
Hans Pfeiffer GmbH Präzisionsteile
Kleineisenbachstr. 39
79877 Friedenweiler
Deutschland