Produktion steigern und Ressourcen sparen
Auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit lieferte erst der KEFF-Check, dann der KEFF+Check wertvolle Impulse
t/a
Kunststoff eingespart
Folientaschen/a eingespart
Seiten/a Papier eingespart
MWh/a
durch Lastgangoptimierung eingespart
Die Arnulf Betzold GmbH ist ein modernes Familienunternehmen mit 55-jähriger Tradition, sozialem Bewusstsein und einem klaren Bekenntnis zu nachhaltigem Wirtschaften. Das Sortiment des Unternehmens umfasst über 100.000 Artikel, die speziell für den Bildungsbereich entwickelt und ausgewählt wurden. Am Firmensitz in Ellwangen sind in Produktion, Logistik und im Verwaltungsbereich des E-Commerce Handelsunternehmens insgesamt mehr als 400 Mitarbeitende beschäftigt.
Qualität, soziale Verantwortung und Nachhaltigkeit – all das wird bei der Arnulf Betzold GmbH großgeschrieben. Auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit lieferte bereits der KEFF-Check wertvolle Impulse für Energieeffizienz und machte Appetit auf mehr. So folgte drei Jahre später der KEFF+Check mit mehr Fokus auf Materialeffizienz. Im Jahr 2025 gehörte die Arnulf Betzold GmbH zu den Finalisten beim Gipfelstürmer-Award.
Ausgangssituation
„Wir wollen nicht Gewinne erzielen, die dann in Umwelt- und Sozialprojekte fließen, sondern Gewinne bereits umwelt- und sozialverträglich erwirtschaften.“ Das ist der Kernsatz der Nachhaltigkeitspolitik der Arnulf Betzold GmbH, die im letzten Jahr verschriftlicht wurde, aber schon seit vielen Jahren aktiv gelebt wird.
Das Unternehmen bezog 2017 das neue, energieeffiziente Bürogebäude. Die Wärmeversorgung erfolgte über Fernwärme und wird durch ein erdgasbetriebenes Blockheizkraftwerk unterstützt. Bereits vor dem KEFF-Check 2020 bestand eine PV-Anlage auf dem angegliederten Shuttlelager und der Logistikhalle, deren erzeugte Energie für den eigenen Bedarf genutzt wurde.
Durch den KEFF-Check wurden bereits 2020 die entsprechenden energetischen Bereiche auf den Prüfstand gestellt. Infolge dessen entstand eine Heizzentrale, die heute in einem Nahwärmenetz fast alle Firmengebäude mit Wärme versorgt. Dort wird das anfallende Restholz aus der Produktion in Form von Hackschnitzeln und die abgesaugten Holzspäne verbrannt.
Seit April 2023 wird keine Nahwärme mehr vom lokalen Versorger bezogen, denn die Heizzentrale deckt den gesamten Wärmebedarf. Die anfallenden Verschnitte und Holzspäne reichen dafür aus. Auch kaputte Paletten werden thermisch verwertet, um Kosten, Transportwege und externe Entsorgungen zu vermeiden.
Außerdem wurden die PV-Flächen auf alle Gebäudedächer erweitert. Auch bei den Außenanlagen der Gebäude wurde Wert auf Nachhaltigkeit gelegt, z. B. durch vogel- und insektenfreundliche Bepflanzung und Versickerung von Regenwasser. Insgesamt sind am Unternehmensstandort nur etwa 10 Prozent der Flächen voll versiegelt und ohne ortsnahe Versickerung.
Laut aktuellem Energieausweis liegt der durchschnittliche Endenergieverbrauch aller Gebäude am Standort Ellwangen bei 42,9 kWh/m²a für Wärme sowie 40,9 kWh/m²a für Strom.
Auch im Materialbereich wurden bereits Einsparungen realisiert. Eine Volumenreduziermaschine passt die Kartonhöhe individuell an den Inhalt an, wodurch die Auslastung der LKW verbessert und Füllmaterial gespart wird. Versiegelt wird mit Leim, um die Recyclingfähigkeit zu verbessern. Konventionelle Kunststoffe in den Produkten und bei der Verpackung wurden überwiegend durch Biopolymere ersetzt. Ziel ist es, das gesamte Sortiment schrittweise auf biobasierte Kunststoffe umzustellen.
Lösung
Da bereits der KEFF-Check wertvolle Impulse und die Umsetzung derer Einsparungen in Kilowattstunden und Euros brachte, war es nicht verwunderlich, dass das Unternehmen 2023 auch den damals neuen KEFF+Check in Anspruch nahm. Hierbei lag das Augenmerk auf Materialeffizienz. Und wieder gab es wertvolle Anregungen, die nach und nach angegangen wurden.
Materialeinsparungen
Zur Reduktion der CO₂-Emissionen wird auf biobasiertes Kunststoffgranulat sowie auf kurze Transportwege durch regionale Lieferanten gesetzt. Der Anteil solcher Kunststoffe an der Gesamtkunststoffproduktion ist in den vergangenen Jahren durch eine schrittweise Sortimentsumstellung kontinuierlich gestiegen.
Dank der geschlossenen Materialkreislaufstrategie werden produktionsbedingte Ausschüsse oder Fehlproduktionen direkt vor Ort eingemahlen und dem Produktionsprozess erneut zugeführt.
Eine Maßnahme in der Möbelproduktion war zudem die Umstellung der Verleimungsart auf den Einsatz von Wasserdübeln. Dadurch konnte der Leimverbrauch deutlich reduziert werden.
Seit 2024 werden ausschließlich FSC-zertifizierte Versandkartons und Versandtaschen in der Logistik verwendet.
Beim Versand von Produkten in der Originalverpackung wurde der Etikettierprozess optimiert: Statt einer aufgeklebten Folientasche mit beigelegtem Warenbegleitschein werden die Informationen auf dem Versandetikett abgebildet. Dadurch entfallen sowohl die Folientaschen als auch die Warenbegleitscheine vollständig.
Energieeinsparungen
Der KEFF+Check war auch der Auslöser, sich systematisch mit dem Thema Energiemanagement auseinanderzusetzen. Ein 2024 implementiertes Energiemonitoringsystem mit über 100 Messstellen ermöglicht eine detaillierte Erfassung des Energieverbrauchs, die Identifikation von Einsparpotenzialen sowie eine kontinuierliche Optimierung der Energieeffizienz.
Durch diese Maßnahme konnten Lastgänge optimiert, wesentliche Energieverbraucher identifiziert und konkrete Maßnahmen umgesetzt werden – beispielsweise der Austausch eines Motors in der Absauganlage der Möbelproduktion. Zudem konnten gezielt Einsparpotenziale an einzelnen Maschinen realisiert werden.
Ein anderes Beispiel ist eine Maschine, die jeden Sonntag in einer Geisterschicht lief – ein Fehler, der ohne das Energiemonitoringsystem wohl nur schwer hätte erkannt werden können.
Durch die Maßnahmen an diesen beiden Maschinen konnten insgesamt etwa 45 Prozent von deren Energiebedarf eingespart werden (60 MWh).
Der bereits begonnene Austausch der Beleuchtung gegen LED wurde vervollständigt.
Auch die Mitarbeitenden werden einbezogen. Neue Mitarbeitende erhalten an einem Welcome Day Infos über Nachhaltigkeitsthemen. Außerdem wird etwa jede zwei Monate ein interner Newsletter an alle Mitarbeitenden versendet, der u. a. Nachhaltigkeitserfolge dokumentiert. Das Management ist ebenso in die Kommunikation eingebunden.
Ergebnis
Durch den Ersatz durch biobasierten Kunststoff wurden im letzten Jahr etwa 58 Tonnen PP-Kunststoff eingespart. Die Tendenz ist steigend. Die Änderung der Verpackung spart 200.000 Folientaschen und 200.000 Seiten Warenbegleitscheine pro Jahr ein.
Digitalisierung findet in vielen Bereichen des Unternehmens statt, z. B. bei der Buchhaltung. Diese wurde nach dem KEFF+Check im Herbst 2024 auf papierlos umgestellt, was in der Verwaltung zu einer Reduktion von 80.000 Drucken im Vergleich zu 2023 beigetragen hat.
Durch den Bau der Heizzentrale und die Verfeuerung von Restholz konnte der Zukauf von Nahwärme eingestellt und Entsorgungsfahrten und -kosten für das Altholz eingespart werden, ebenso Leitungsverluste. Bezogen auf den Wechsel des Energieträgers, die Leistungsverluste bzw. den wegfallenden Nahwärmebezug konnten dadurch jährlich Einsparungen von rund 130.000 Kilowattsunden, 285 Tonnen CO₂ bzw. ca. 155.000 Euro erzielt werden.
Seit der Installation zusätzlicher Photovoltaikanlagen Ende 2023 hat sich der PV-Eigenverbrauch im Jahr 2024 um 87 Prozent erhöht. Gleichzeitig ist die Einspeisung ins öffentliche Netz im selben Zeitraum um 375 Prozent gestiegen.
Bezogen auf die Gesamtbruttowertschöpfung zeigt sich beim Energieverbrauch eine deutliche Verbesserung: Die Kennzahl „MWh pro Million Euro“ konnte von 85,15 im Jahr 2023 auf 82,24 im Jahr 2024 gesenkt werden. Dabei hat das nach dem KEFF+Check implementierte Energiemonitoringsystem maßgeblich zur Identifikation von Einsparpotenzialen und zur Optimierung des Energieverbrauchs beigetragen.
Rückwirkend bis ins Jahr 2021 wurde eine CO₂-Bilanz erstellt, die künftig kontinuierlich fortgeführt und schrittweise um weitere Kategorien des Scope 3 erweitert wird. Insgesamt sind die Scope-1- und Scope-2-Emissionen in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken. Besonders erfreulich ist der Rückgang der Kennzahl „Tonnen Treibhausgasemissionen pro Million Euro Gesamtbruttowertschöpfung“, die von 15,98 im Jahr 2023 auf 12,56 im Jahr 2024 um 21 Prozent reduziert werden konnte. Das Ziel für 2025 liegt bei unter 10.
Ausblick
Vor dem Hintergrund erweiterter PV-Flächen gewinnt die Speicherung überschüssiger Energie zur späteren Nutzung zunehmend an Relevanz im Unternehmen. Ziel ist es, den Eigenverbrauch weiter zu erhöhen, die Netzbelastung zu reduzieren und die Energieversorgung nachhaltiger und effizienter zu gestalten. Aktuell werden mögliche Lösungen zur Integration eines Stromspeichersystems am Standort evaluiert. Ein durchdachtes Stromspeicherkonzept stellt daher einen zentralen nächsten Schritt dar, um den Eigenverbrauchsanteil weiter zu erhöhen und die Energieautarkie langfristig zu sichern. Auch die PV-Anlagenflächen sollen weiterhin vergrößert werden.
In das Energiemonitoringsystem werden derzeit zusätzlich thermische Messstellen integriert, in Zukunft auch Wasserverbrauchsdaten.
Eine weitere Maßnahme in der Zukunft ist auch die Modernisierung des Rechenzentrums, um dieses energieeffizienter zu gestalten.
Ansprechpartnerin
Arnulf Betzold GmbH
Ferdinand-Porsche-Straße 6
73479 Ellwangen
Deutschland