Große Schritte auf dem Weg zur Klimaneutralität
Die Belenus GmbH zeigt, dass man auch als kleines Unternehmen groß denken kann bei der Ressourceneffizienz
kWh/a
Strom eingespart
Helium eingespart
%
Autarkiegrad
Die Belenus GmbH mit Sitz in Bad Dürrheim entstand ursprünglich aus zwei blechverarbeitenden Betrieben. Mit acht Mitarbeitenden verarbeitet das Unternehmen Stahlblech, Edelstahl und Aluminium in Einzelanfertigung oder Großserie, von einfachen Laserteilen bis zu anspruchsvollen Schweißkonstruktionen. Verschiedene Verfahren wie z. B. Laserschneiden und -schweißen, Abkanten und Rundbiegen stehen den Kunden zur Verfügung, ergänzend auch Serviceleistungen wie Konstruktion und Montage.
Das metallverarbeitende Unternehmen machte sich nach der Übernahme durch den heutigen Geschäftsführer Alexander Theinert schon Ende der 1990er Jahre auf den Weg, Energie und Material zu sparen. Das Ziel: den Anteil fossiler Energieträger auf null zu reduzieren und den gesamten Energiebedarf vollständig durch erneuerbare Energien zu decken. Im Jahr 2025 erhielt die Belenus GmbH die Auszeichnung „Gipfelstürmer des Jahres“.
Ausgangssituation
Mit dem Umzug von Schwenningen nach Bad Dürrheim im Jahr 2013 hat das Unternehmen durch vorausschauende Planung und Investitionen in Gebäudeökologie und Infrastruktur die Voraussetzungen geschaffen, nachhaltiges, ressourcenschonendes Energiemanagement betreiben zu können. Durch die Optimierung der Abläufe wurde eine Verkleinerung der Fläche möglich.
Durch die sehr gut gedämmte Gebäudehülle, den Einsatz von Wärmepumpen mit Erdkollektor und Abwärmenutzung verringerte sich damals schon die benötigte Heizenergie um 76 Prozent, das entspricht ca. 40.000 Liter Heizöl pro Jahr.
Auch eine Photovoltaik-Anlage wurde installiert. Ein Kleinwindrad ergänzt die Energieversorgung des Unternehmens.
Im Bereich der Materialeffizienz erfolgte bereits 2019 ein großer Schritt durch die Digitalisierung des gesamten Workflows. So konnten bei der Blechverarbeitung die Zuschnitte deutlich optimiert und 12 Prozent Material gespart werden.
Im Fuhrpark von Belenus finden sich alle drei auf dem Markt verfügbaren alternative Antriebsarten: Elektro, Hybrid und Wasserstoff.
Für die Maßnahmen konnten verschiedenen Fördermittel in Anspruch genommen werden. Zehn Prozent der Bausumme wurden bezuschusst, auch der neue Druckluft-Kompressor und die Digitalisierung sowie das Wasserstoff-Fahrzeug wurde bezuschusst.
Insgesamt wird darauf geachtet, dass Produkte und Dienstleistungen nachhaltig hergestellt und erbracht werden können und auch aktiv das ökologische Bewusstsein der Mitarbeitenden, Lieferanten und Partner gefördert wird.
Zum Zeitpunkt des KEFF+Checks im April 2024 waren bereits Überlegungen für weitere Material- und Energieeffizienzmaßnahmen im Gange, die durch den Check bestätigt werden konnten.
Lösung
Die Anschaffung einer neuen Laser-Schneidanlage war zwar kostenintensiv, aber lohnenswert, da die neue Anlage trotz besserer Leistungsfähigkeit wesentlich energieeffizienter ist und kein Helium mehr erfordert. Das spart elf 50-Liter-Flaschen jährlich. Allerdings benötigt die neue Anlage mehr Stickstoff, weshalb eine eigene Stickstoff-Erzeugung angeschafft wurde. Das sparte auch die Mietkosten für den Tank, in dem der extern bezogene Stickstoff bevorratet wurde. Jetzt kommen bei der eigenen Stickstoff-Erzeugung handelsübliche Flaschenbündel zum Einsatz für die Speicherung.
Eine weitere große Investition war die eigene Wasserstofferzeugung mit einem Elektolyseur und einer Betankungseinheit für ein Firmenfahrzeug. Zuvor wurde der Wasserstoff an einer öffentlichen Tankstelle bezogen, die im Frühjahr 2025 dauerhaft geschlossen wurde. Seit Anfang April kann der eigene Wasserstoff getankt werden.
Sowohl die Stickstoff- als auch die Wasserstoff-Erzeugung erfolgen überwiegend mit überschüssigem Solarstrom der Photovoltaik-Anlage und dem Batteriespeicher. Das zur Elektrolyse benötigte Wasser wird in einer 20 Kubikmeter großen Zisterne gespeichert.
Außerdem wurde ein Batteriespeicher mit Notstromfunktion eingebaut, der über Nacht den Elektrolyseur, den Server, die Kameras, Außenbeleuchtung und die Zutrittskontrolle versorgt.
Ergebnis
Die neue Laser-Schneidanlage spart 50 Prozent Strom (30.000 Kilowattstunden pro Jahr) gegenüber der alten Anlage. Außerdem sind die Betriebskosten 30 Prozent geringer, da keine zusätzlichen Gase mehr benötigt werden. Durch die eigene Stickstoff-Produktion entfallen jährlich ca. 45 LKW-Anfahrten mit flüssigem Stickstoff. Außerdem konnte rund 12 Prozent Blech durch Zuschnittoptimierung eingespart werden.
Der neue Batteriespeicher hat eine Leistung von 23 Kilowatt. Dadurch können nachts ca. 18,5 Kilowatt eingespart werden.
Durch die eigene Wasserstoff-Produktion entfallen ca. 36 Fahrten je 24 Kilometer zu einer öffentlichen Wasserstoff-Tankstelle und der Fremdbezug von ca. 150 Kilogramm Wasserstoff pro Jahr. Außerdem wurden 1.800 Liter Diesel pro Jahr durch den e-Transporter gespart.
Die Gesamtheit der Maßnahmen haben das Unternehmen resilienter gegenüber Energiepreisschwankungen werden lassen. Auch der Grad an Autarkie ist Schritt für Schritt größer geworden. Rechnerisch beträgt der aktuelle Autarkiegrad 97 Prozent. Nur noch ca. 68000 Kilowattstunden pro Jahr werden extern bezogen.
Für sein Engagement hat das Unternehmen in den vergangenen Jahren verschiedene Preise bekommen, z. B. den „Deutschen Exzellenz-Preis“ 2024 und 2025 und die Auszeichnung „Arbeitgeber der Zukunft“ 2024 und 2025, außerdem den „Deutschen Award für Nachhaltigkeitsprojekte – Produktion“ 2025. Gelobt wurde dabei, dass das Unternehmen sich seine Problemstellung tiefgründig anschaut und grundlegend neu löst, mit wirtschaftlich positiven Auswirkungen und einer deutlich verbesserten CO2-Bilanz.
Ansprechpartner
BELENUS GmbH
Auf Stocken 7
78073 Bad Dürrheim
Deutschland