
Vielfältige Maßnahmen in Produktion und Gebäude
Einsparungen durch Verbesserungen im Reinigungsprozess und bei der Wärme-, Kälte- und Druckluftversorgung
%
Abfall-Einsparung
%
Senkung des Heizenergieverbrauchs
kWh/a
Energieeinsparung
durch die PV-Anlage
Jahre
Amortisationsdauer

Die Leica Biosystems Nussloch GmbH mit 360 Mitarbeitenden ist in der Medizintechnik-Branche tätig und ein weltweit führender Anbieter von Workflow-Lösungen von der Biopsie bis zur Diagnose im Bereich der Krebsdiagnostik. Die 1872 in Heidelberg als Rudolf Jung AG gegründete Traditionsfirma stellt im südlichen Rhein-Neckar-Kreis unter anderem Spezialklingen für die pathologische Diagnostik, Krankenhäuser und Labore her. Im Jahr 2005 wurde Leica durch die Danaher Corporation übernommen und im Jahr 2007 zur Leica Biosystems Nussloch GmbH umfirmiert.
Der Medizingerätehersteller Leica Biosystems sah sich mit gestiegenen Energiekosten konfrontiert und sorgte durch eine PV-Anlage und die Heizungs- und Beleuchtungsoptimierung für Abhilfe. Aber auch der Verbrauch von Chemikalien und Wasser in der Produktion konnte reduziert werden.
Ausgangssituation
Als erfolgreiches, internationales Unternehmen produziert Leica Biosystems in Nußloch Geräte für die klinische Histologie und Pathologie und setzt schon lange auf Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Mit der Übernahme durch die Danaher Corporation wurde das Portfolio und Know-how um viele weitere Produkte im Bereich der Diagnostik erweitert. Außerdem konnten mit Hilfe des Danaher Business Systems sämtliche Prozesse kontinuierlich verbessert und mehrere Projekte zur Verbesserung der CO2-Bilanz durchgeführt werden.
Doch der Energieverbrauch und damit auch die Emissionen für die Maschinen und Wärmeversorgung am Standort Nußloch stiegen in den letzten Jahren an. Es gab keine wesentlichen Maßnahmen und Projekte zur Verbesserung der Energieeffizienz des Standortes. Mit den Konzernzielen, die Emissionen bis 2032 um 50,4 Prozent absolut zu senken, war diese Entwicklung nicht vereinbar. Da es keine solide Datenlage über die größten und ältesten Verbraucher gab, war eine Bewertung möglicher Maßnahmen kaum möglich. Um eine erste Einschätzung der Möglichkeiten zu bekommen, ließ das Unternehmen im Mai 2022 einen KEFF+Check durchführen.
Lösung
Nach dem KEFF+Check lagen verschiedene Verbesserungsvorschläge vor, wovon seither vieles umgesetzt werden konnte. Im Bereich der Materialeffizienz wurden nach dem KEFF+Check zwei Energie- und Abfall-Workshops als Kaizen-Events am Standort durchgeführt. Dabei wurden viele weitere kleine und große Maßnahmen implementiert.
Eine Maßnahme betraf die Reinigungsanlage für die Spezialklingen. Im letzten Produktionsschritt vor der Verpackung werden die Produkte dort noch einmal gesäubert, um einen optimalen optischen Zustand zu erreichen. Dadurch mussten jährlich 200 Tonnen Wasser einer aufwendigen Spezialentsorgung zugeführt werden. Das war nicht nur teuer, sondern verbrauchte auch sehr viel Energie beim komplexen Recycling. Der KEFF+Check lieferte den Impuls, mit der Gewerbeaufsicht zu besprechen, ob dieser Aufwand notwendig ist, da das Wasser bereits sehr rein ist. So konnte dieser Entsorgungsschritt entfallen. Dadurch konnten 150 Kubikmeter Spülflüssigkeitsabfälle pro Jahr vermieden werden.

Eines der größten umgesetzten Projekte nach dem KEFF+Check war der Bau einer 300 Kilowatt Peak Photovoltaik-Anlage. Durch den sehr gleichmäßigen Energieverbrauch am Standort können 250.000 Kilowattstunden des produzierten Stroms dieser Anlage pro Jahr selbst genutzt werden, das entspricht über 99 Prozent.

Viele kleine Maßnahmen zur Energieeinsparung
Außerdem wurden die Heizungssteuerungen optimiert, wodurch der Heizenergieverbrauch um etwa 20 Prozent gesenkt werden konnte. Die Pumpenlaufzeiten wurden bedarfsgerecht verkürzt und einige Pumpen durch effizientere ersetzt. Auch die Kälteversorgung wurde verbessert, indem Türschließungen eingebaut und ein Kühlaggregat nach draußen verlagert wurde, so dass der zugehörige Technikraum und die damit verbundene Kühllast entfallen konnten. Bei einigen thermischen Prozessen wird nun die Abwärme nach außen abgeführt anstatt wie zuvor in die Halle; der Einbau von Wärmetauschern ist geplant. Um die Kühllast zu verringern, wurden die Fenster der Büros foliert.
Das gesamte Druckluftnetz wird derzeit schrittweise erneuert, um Leckagen zu beseitigen. Zusätzlich wurde der Druck von 8,4 auf 6,5 bar reduziert. Es ist geplant, den Kompressor durch einen effizienteren zu ersetzen.
Im Bereich Beleuchtung wurden feste Abschaltzeiten eingerichtet und die Nachlaufzeiten verkürzt. Neue Büros wurden mit Präsenzmeldern ausgestattet.

Ergebnis
Neben der Einhaltung des Budgets und Zeitrahmens waren bei der Umsetzung der Maßnahmen einige Herausforderungen zu bewältigen. Die größte gab es in Bezug auf die behördlichen Genehmigungen der PV-Anlage. Auch auf die Akzeptanz in der Belegschaft wurde geachtet: Über interne Newsletter, ein TV-Programm in der Kantine und alltagstaugliche Verhaltensregeln werden die Themen Nachhaltigkeit und Energieeffizienz möglichst breit gestreut, so dass alle Mitarbeitenden dazu beitragen können, das gemeinsame Ziel zu erreichen.
Insgesamt konnten durch die Maßnahmen 280.000 Kilowattstunden Strom, 95.000 Kilowattstunden Gas und 185.000 Kilowattstunden Öl eingespart werden. Das entspricht einer Reduzierung des Verbrauchs bei Strom um rund 12 Prozent, bei Gas um rund 28 Prozent und bei Öl etwa 26 Prozent. Dafür wurden insgesamt knapp 500.000 Euro investiert.
Innerhalb der Danaher Corporation schnitt die Leica Biosystems am Standort Nußloch danach in Sachen Emissionen top ab. Nun plant das Unternehmen weitere PV-Anlagen auf dem Betriebsgelände.
Ansprechpartner
Leica Biosystems Nussloch GmbH
Heidelbergerstraße 17-19
69226 Nußloch
Deutschland